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16. plenum Zukunftsforum für Privatbanken im Bankhaus Merck Finck in Frankfurt

04.12.2017

Am 04. Dezember trafen sich die CIOs und COOs von über 15 bedeutenden Privatbankhäusern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zum traditionellen halbjährlichen Austausch über die aktuellen Herausforderungen der Branche.

Nachdem die MiFID-II Umsetzung bis zum Jahresstart 2018 weitgehend abschlossen ist, gelangen zunehmend andere regulatorische Themen wie z.B. die BAIT oder die PSD2, aber auch grundlegende Modernisierungs- und Optimierungsfragestellungen auf die Agenda des Managements.

Die im November 2017 in Kraft getretene endgültige Fassung der BAIT hat zwar keine wesentlichen Überraschungen beinhaltet. Sie ist aber nun, ab sofort mit all ihren Bestandteilen von allen Banken verbindlich umzusetzen und steht somit bei allen Instituten ganz oben auf der ToDo Liste. Nicht zuletzt mit der gleichzeitig für die systemrelevanten Banken seit Mai verabschiedeten EBA-Leitlinie „Guidelines on ICT Risk Assessment under the Supervisory Review and Evaluation process“ rückt hiermit die Messung und Steuerung operationeller Risiken, die "Non Financial Risks“, immer stärker ins Blickfeld der Aufsicht und somit in die Projektportfolien der beaufsichtigten Banken. In der Diskussion mit den IT Verantwortlichen der Privatbanken wurde schnell klar, dass es keine 2. Klassen bzw. Prüfungswelten geben wird und die Unterschiede sich, entsprechend des Proportionalitätsprinzips, allenfalls in der Intensität, jedoch nicht in der Sache zeigen werden.

Auch die bereits seit Januar 2016 in Kraft getretene Zahlungsverkehrsrichtlinie PSD2 birgt Sprengkraft für die Marktteilnehmer, wie Alexander Bergè in seinem Vortrag aufzeigte. Nach der „Vorveröffentlichung“ der RTS, Anfang Dezember 2017, muss die, im Detail nicht unkomplexe, technische Umsetzung bis 2019 erfolgen. Noch wesentlicher als die technische Umsetzung erscheinen den Entscheidern der Privatbanken jedoch die strategischen Fragestellungen. Wie kann mit dem Zugriff Dritter auf die Kundendaten, z.B. auch datenschutzrechtlich umgegangen werden? Beziehungsweise welches Potential birgt die Richtlinie für die eigene Organisation?

An diesem Punkt münden die PSD2 Überlegungen in grundsätzliche Digitalisierungsfragestellungen. Wie weit ist die eigene Organisation und Plattform dazu geeignet neue Services aus dem Markt zu integrieren oder eigene Fähigkeiten und Funktionen Dritten anzubieten? Der wesentliche Erfolgsfaktor eines plattformorientierten Geschäfts- und Architekturmodells ist dabei eine flexible Architektur bzw. die effektive Überwindung gewachsener Legacy-Strukturen. Der aktuelle Marktüberblick über Kernbanksysteme und -services, d. h. den zentralen Baustein der Architektur, durch Herrn Kind (VTB Direkt), konnte den Aspekt der Serviceorientierung noch einmal zusätzlich unterstreichen. Letztlich sehen hier alle Teilnehmer große Herausforderungen und tendenziell eine steigende Bereitschaft auch institutsübergreifend zusammenzuarbeiten.

Neben den konkreten regulatorischen, markt- und digitalisierungsgetriebenen Herausforderungen bildeten die Diskussionsbeiträge von Frau Bischoff (Landesbank Hessen-Thüringen) zum aktuellen Stand der Brexit Verhandlungen sowie die Ausführungen von Herrn Prof. Dr. Hellmich von der Frankfurt School of Finance & Management den Rahmen für ein sehr interessantes und lebendiges 16. plenum Privatbankenforum.

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