„Was heißt das für mich?“ – zielgruppenspezifische Kommunikation im Change

„Was bedeutet das konkret für meinen Arbeitsalltag?“

– Diese Frage steht in fast jedem Change-Projekt unausgesprochen im Raum. Sie entscheidet darüber, ob Menschen sich abgeholt oder überrollt fühlen. Und sie ist ein zentraler Gradmesser dafür, ob Kommunikation im Wandel wirklich wirkt.

Zu oft erleben wir Kommunikation, die zwar sachlich korrekt ist – aber niemanden wirklich erreicht. Die Herausforderung lautet deshalb: Wie kommunizieren wir im Rahmen eines Change Managements so, dass sich unterschiedliche Zielgruppen angesprochen, verstanden und ernst genommen fühlen?

Wir zeigen anhand eines konkreten Szenarios, wie zielgruppenspezifische Kommunikation gelingt – und stellen zwei Methoden vor, die wir dafür besonders gerne einsetzen.

Beispiel aus der Praxis: Einführung eines neuen ERP-Systems

Ein Unternehmen führt ein neues, konzernweites ERP-System ein. Technisch läuft das Projekt solide – doch nach dem Go-Live bleiben Akzeptanz und Nutzung hinter den Erwartungen. Führungskräfte zeigen sich verhalten, operative Teams sind frustriert, die IT-Abteilung fühlt sich mit Rückfragen überrollt.

Was ist passiert? Die Kommunikation war da – aber zu einheitlich. Eine Infomail für alle, ein kurzes Intranet-Update, ein Standardtraining. Zu wenig Bezug zur Realität der verschiedenen Rollen. Zu wenig gezielte Ansprache.

Methode 1: Zielgruppen-Kommunikationsmatrix

Um Kommunikation passgenau zu gestalten, nutzen wir eine Kommunikationsmatrix, die vier Fragen kombiniert:

  1. Wer? (Zielgruppe – z. B. Bereichsleitung, Key User, operative Mitarbeitende, Projektteam)
  2. Was? (Was ist für diese Rolle relevant? Ängste, Erwartungen, konkrete Aufgaben)
  3. Wie? (Welches Format funktioniert – z. B. Leadership Briefing, Use Case Demo, Poster, Intranet)
  4. Wann? (Zu welcher Projektphase – Awareness, Testing, Go-Live, Stabilisierung)

Diese Methode hilft Projektteams, gezielt statt pauschal zu kommunizieren – und Menschen dort abzuholen, wo sie stehen.

Change Management Kommunikation: Darstellung der Kommunikationsmatrix

Methode 2: „voice-of-user“-Interviews

Ergänzend setzen wir auf qualitative Interviews mit typischen Vertreter*innen der Zielgruppen – sogenannte „Voice-of-User“-Gespräche. Sie dienen nicht als Meinungsumfrage, sondern als Echoraum: Was beschäftigt die Menschen im Wandel? Was ist ihnen wichtig? Wo wünschen sie sich Unterstützung?

Beispielfragen:

  • „Was ist für Sie aktuell besonders relevant im Zusammenhang mit dem ERP-Projekt?“
  • „Welche Aspekte laufen aus Ihrer Sicht schon gut?“
  • „Was würde Ihnen helfen, sich noch sicherer im Umgang mit dem neuen System zu fühlen?“
  • „Welche Informationen oder Formate wären für Sie besonders hilfreich?“

Die Erkenntnisse fließen direkt in die Kommunikationsplanung ein – etwa in Form von Personas, priorisierten Themen oder realitätsnahen Anwendungsbeispielen.

Unser Fazit

Wer Wirkung will, muss Unterschiede ernst nehmen

Veränderung funktioniert nicht auf dem Reißbrett – sie braucht Kommunikation, die zuhört, versteht und anschlussfähig ist.

Mit zielgruppenspezifischer Planung und dialogorientierten Formaten schaffen wir echte Verständigung – jenseits von Projektkommunikation „nach Schema F“. Damit die wichtigste Frage im Change nicht offen bleibt: „Was heißt das für mich?“

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