09.07.2024
Wie führe ich Information Governance erfolgreich in meinem Unternehmen ein und wie kann der Leitfaden zur effektiven Risikodatenaggregation und Risikoberichterstattung der EZB dabei unterstützen? In dieser siebenteiligen Blogreihe werden wir auf diese Fragen Antworten finden.
Im ersten Teil haben wir betont, dass es für eine erfolgreiche Information Governance ein Leitungsorgan braucht, das voran geht. Damit dieses gemeinsam mit den Mitarbeitenden erfolgreich sein kann, bedarf es unter anderem einer klaren Planung und Vorgaben. Dafür ist im Kontext Information Governance ein Rahmenwerk zu erarbeiten, denn „Die Gesellschaft befindet sich in einem Daten- und Informationszeitalter und so bleibt keine Zeit mehr für Überlegungen ob, wie und warum. Heute erfolgreiche Geschäftsmodelle werden morgen den Marktanforderungen nicht mehr gerecht werden können“ (Parrino, et al., 2022).
In der heutigen digitalen und durch Künstliche Intelligenz stark beeinflusste Ära, sind Daten zu einem immer wertvolleren Bestandteil von vielen Unternehmensstrategien geworden. Es geht nicht nur darum, Daten zu besitzen und zu vermehren, sondern dass sie auch effektiv, zweckorientiert und verantwortungsbewusst genutzt werden. Ein solches Unterfangen erfordert entsprechende Vorgaben durch ein geeignetes Rahmenwerk. Auch die EZB hat erkannt, dass ein solches Rahmenwerk wichtig ist. In ihrem Leitfaden nennt sie den Anwendungsbereich des Rahmenwerks als einen Schwerpunktbereich. Die Institute sollen ein Information Governance-Rahmenwerk schaffen, dass es dem Institut ermöglicht, Risiken zu erkennen, zu steuern und zu berichten.
Aber was genau soll solch ein Rahmenwerk festlegen und warum ist es so wichtig? Ein Information Governance Rahmenwerk sollte aus unserer Sicht folgende Kernelemente beinhalten:
Datenverantwortung: Ein klares Verständnis von Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten ist zu schaffen. Damit lässt sich sicherstellen, dass Daten korrekt verwaltet, richtig gehandhabt und verstanden werden.
Datenmanagement: Dies bezieht sich auf den Lebenszyklus der Daten – von der Erzeugung bis zur Nutzung. Ein entsprechendes Rahmenwerk sollte klare Vorgaben und Werkzeuge für das Datenmanagement bereitstellen und geeignete Maßnahmen vorhalten, dass Daten in angemessener Zeit, mit hoher Qualität und für die jeweiligen Nutzer adressatengerecht aufbereitet zur Verfügung stehen.
Datenqualität: Hochwertige Daten sind das Herzstück jeder datenbasierten Entscheidung. Somit sollte das Rahmenwerk Mechanismen enthalten, um die Genauigkeit, Vollständigkeit, Aktualität, Konsistenz u.a. der Daten zu gewährleisten. Dies muss für den Regelbetrieb als auch in Stressphasen durch die entsprechende Anpassungsfähigkeit sichergestellt werden.
Data Literacy (Datenkompetenz): Auch die besten Daten sind wertlos, wenn die Mitarbeitenden eines Unternehmens nicht wissen, wie sie interpretiert oder genutzt werden sollen. Aus diesem Grund müssen regelmäßig Schulungen durchgeführt werden und Ressourcen verfügbar sein, um die Datenkompetenz und das Datenbewusstsein im gesamten Unternehmen zu fördern und zu stärken.
Ein ganzheitlicher Ansatz zur Information Governance geht über einfache Praktiken hinaus und berücksichtigt auch die Art und Weise, wie Daten interpretiert und genutzt werden, um Geschäftsentscheidungen zu treffen. Unternehmen, die ein solides Rahmenwerk für Information Governance implementieren, sind damit besser positioniert. Sie können dadurch das volle Potenzial ihrer Daten ausschöpfen und sicherzustellen, dass diese zielgerichtet, sinnvoll und eindeutig genutzt werden.
Um das Rahmenwerk mit Leben zu füllen und in Ihrem Unternehmen Information Governance erfolgreich zu gestalten, ist die Bildung eines geeigneten Teams mit klaren Rollen und Verantwortlichkeiten essenziell. Lesen Sie hierzu die Fortsetzung in Teil 3 „Keine Information Governance ohne Team - wen braucht es für eine erfolgreiche Umsetzung?“
Verfasser: Sabine P., Anna B., Torsten L.