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BCBS368: Interest Rate Risk in the Banking Book (IRRBB)

21.04.2016

Mit den am 21.04.2016 veröffentlichten Standards BCBS368 zum Zinsänderungsrisiko im Bankbuch (Interest Rate Risk in the Banking Book, IRRBB) ist das Basler Komitee nun endgültig von der Säule 1-Unterlegung der IRRBB abgerückt und bleibt bei einer Adressierung über die Säule 2. Da IRRBB gerade auch angesichts des andauernden Niedrigzinsumfelds materiell bleiben, werden folgende Änderungen an den Prinzipien für die Überwachung im Rahmen der Säule 2 formuliert:

Im Fokus stehen klarere Leitplanken für das Risikomanagement der IRRBB, vor allem in Bezug auf

  • Die Entwicklung angemessener Schock- und Stressszenarien, die bei der Risikomessung anzuwenden sind (Prinzip 4): Statt des bisher vorgeschriebenen Standard-Zinsschocks von +/- 200 Basispunkten sind im Standardansatz künftig die barwertigen Zinsänderungsrisiken für sechs vorgegebene Schock-Szenarien zu rechnen. Die Eigenkapitalunterlegung im Rahmen des ICAAP basiert dann auf dem Szenario mit der maximalen Veränderung des Barwerts. Der Schwellwert für die Identifizierung von Instituten mit erhöhtem Zinsänderungsrisiko ändert sich von bisher 20% des Gesamtkapitals auf 15% des Kernkapitals. Diese Veränderung der Bezugsgröße stellt für viele Banken eine zusätzliche deutliche Verschärfung dar. Die neue Regelung geht damit den eingeschlagenen Weg der im Januar in Kraft getretenen EBA-Leitlinien weiter, der im ICAAP für das Risikoprofil des Instituts angemessene Zinsszenarien und Modelle empfiehlt.
  • Die wesentlichen Verhaltens- und Modellannahmen zur Messung der IRRBB (Prinzip 5). Diese müssen vollständig verstanden, konzeptionell schlüssig und fehlerfrei dokumentiert sein. Im Fokus stehen hier insbesondere die Verhaltensannahmen bei expliziten und impliziten Optionen gerade in Schock- und Stressszenarien. Die Annahmen sind konsequent zu testen und müssen zur Geschäftsstrategie der Bank passen.
  • Den internen Validierungsprozess für die internen Messsysteme und Modelle zum IRRBB (Prinzip 6). Wert gelegt wird auf akkurate Daten, eine von der Modellentwicklung unabhängige Validierungseinheit sowie einen umfangreichen, übergreifenden Governance Prozess für das Management des Modellrisikos.
  • Darüber hinaus werden die Offenlegungsanforderungen geschärft, insbes. zu Veränderungen von Barwert und Nettozinsergebnis für vorgegebene Zinsschocks (Prinzip 8).

In Konsequenz ergeben sich auch neue Anforderungen an die Aufsicht zur Überprüfung des IRRBB im Rahmen des SREP. Die nationalen Aufseher haben u.a. die Möglichkeit, den Standardansatz (an Stelle der internen Modelle) für den ICAAP verpflichtend vorzuschreiben (Prinzip 11).

Für die Institute bedeuten die Änderungen umfangreiche Umsetzungsaufwände. Anpassungsbedarf entsteht nicht zuletzt bei der Berechnung der geforderten Szenarien, der Umsetzung der Methodik im ICAAP und den Offenlegungsanforderungen.

Die Baseler Prinzipien sollen bis 2018 umgesetzt sein, die erste Offenlegung nach den neuen Regeln muss bereits zum Stichtag 31.12.2017 erfolgen. Eine weitgehend analoge Umsetzung in europäisches Recht ist zu erwarten.

  • Basel III
  • Eigenkapital
  • ICAAP
  • IRRBB
  • Säule 2
  • Zinsänderungsrisiko

Ihr Ansprechpartner

Georg Müller, Senior Manager

Georg Müller
Senior Manager

+49 (0)170 9109321
Georg.Mueller@plenum.de

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