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BaFin-Konsultation 10/2016: Unterlegung von Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch mit regulatorischen Eigenmitteln

09.11.2016

Die BaFin-Konsultation der Allgemeinverfügung zur Unterlegung von Zinsänderungsrisiken (ZÄR) im Anlagebuch mit regulatorischen Eigenmitteln lief bis zum 30.11.2016.

In den SREP (supervisory review and evaluation process) Richtlinien der EBA ist das ZÄR im Anlagebuch, sofern es ein wesentliches Risiko darstellt, mit Eigenkapital zu unterlegen. Die Festlegung der Unterlegung erfolgt für die direkt der EZB-Aufsicht unterliegenden Institute im Rahmen der SREP-Prüfung durch die EZB.

Durch die große Anzahl weniger bedeutender Institute in Deutschland (sog. LSI = less significant institutions) ist eine zeitgleiche Prüfung und Kapitalfestsetzung nicht möglich. Um das Wettbewerbsumfeld nicht zu verzerren, macht die BaFin von ihrer Möglichkeit Gebrauch, eine Allgemeinverfügung zu erlassen.

Betroffene Institute

Die Allgemeinverfügung zur Unterlegung der ZÄR im Anlagebuch gilt für Kreditinstitute nur auf Einzelinstituts- und nicht auf Gruppenebene. Institute, die bereits eine Kapitalfestsetzung im Rahmen des SREP-Prozesses erhalten haben, und für die ein bestandskräftiger Bescheid besteht, sind von dem Eigenkapitalzuschlag der Allgemeinverfügung ausgenommen, da das ZÄR bereits im SREP-Prozess berücksichtigt worden ist.

Berechnung

Grundlage der Berechnung ist der Baseler Zinsschock, welcher eine Parallelverschiebung der Zinsstrukturkurve um +/- 200 BP unterstellt. Die höchste sich ergebende negative Barwertänderung wird ins Verhältnis zum Gesamtrisikobetrag (RWA) gesetzt. Die nachfolgende Tabelle zeigt die entsprechenden Eigenmittelzuschläge:


Kapitalaufschlag IRRBB für LSI

Quelle: BaFin – Konsultation zur Unterlegung ZÄR im Anlagebuch, S. 2

Eine Unterschreitung der erforderlichen Eigenmittelquote muss sofort der BaFin gemeldet werden.

Die Anordnung erlaubt den Kreditinstituten eine Berücksichtigung von freien Vorsorgereserven nach § 340 f HGB oder § 26 a KWG a.F., falls diese nicht bereits den regulatorischen Eigenmitteln hinzugerechnet sind oder zur Abdeckung weiterer Risiken genutzt werden. Sofern die freien Vorsorgereserven den Zuschlag für das ZÄR im Anlagebuch übersteigen, kann die zusätzliche Eigenmittelquote auf 0% sinken.

Erstmalige Anwendung

Der Eigenkapitalzuschlag ist laut Konsultationsentwurf ab dem nächsten Meldestichtag (31.12.2016) des aufsichtlichen Zinsschocks und danach kontinuierlich vierteljährlich zu bestimmen und einzuhalten. Die neue Zielquote des Gesamtkapitals ist im COREP-Meldebogen C 03.00 anzuzeigen.

Fazit

Die finalen Baseler Regelungen zum IRRBB (BCBS d368) sowie die Aufnahme in die SREP Prüfungsleitlinie der EBA haben diesen Schritt der BaFin erwarten lassen. Ziel der Aufsicht ist es, die Risiken aus der Fristentransformation durch zusätzliche Eigenmittelanforderungen (Säule-1-plus-Ansatz) zu limitieren. Die Auswirkungen auf die interne Steuerung der Zinsänderungsrisiken in den Banken sind herausfordernd, ebenso die Integration in ICAAP und Kapitalplanung.

  • Eigenkapital
  • ICAAP
  • IRRBB
  • Säule 2
  • Zinsänderungsrisiko

Ihr Ansprechpartner

Georg Müller, Senior Manager

Georg Müller
Senior Manager

+49 (0)170 9109321
Georg.Mueller@plenum.de

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