Nachhaltigkeit wirksam machen: die transformative Kraft strategischer Kommunikation

06.10.2025

Unternehmen müssen Nachhaltigkeitsmaßnahmen in ihr Tagesgeschäft integrieren, um wesentliche Risiken zu managen. Aber wie erreicht man das?

Die Zeiten, in denen man sich einfach ehrgeizige Nachhaltigkeitsziele gesetzt hat und dafür in der Öffentlichkeit Applaus erhielt, sind vorbei. Unabhängig von der jüngsten öffentlichen Debatte über ESG-Regulatorik müssen Unternehmen konkrete Maßnahmen in ihr Tagesgeschäft integrieren, um Risiken zu bewältigen und Chancen zu nutzen.

Die Faktenlage ist eindeutig. Wir haben sieben der neun planetaren Grenzen überschritten, die einen sicheren Lebensraum für uns Menschen bieten. Die Klimakrise mit ihren bereits konkret erlebbaren negativen Auswirkungen ist das prominenteste und wohl dringlichste Nachhaltigkeitsproblem unserer Zeit. Auch für Unternehmen.

Tatsächlich bedroht die Klimakrise laut der Universität Cambridge bis zu 30 % der Weltwirtschaft. Wichtige Triebkräfte für unternehmerisches Handeln sind daher neben der Gesetzgebung insbesondere der Finanzsektor, aber auch Kunden und Mitarbeiter. Sowie zunehmend die nüchterne Erkenntnis, dass es um Risiken und Resilienz geht.

Es überrascht daher nicht, dass der Klimawandel laut der European Financial Reporting Advisory Group (Efrag) ganz oben auf der Liste der wichtigsten Nachhaltigkeitsthemen für Unternehmen steht. Dies zeigen die ersten CSRD-konformen Nachhaltigkeitsberichte in Europa, die in diesem Jahr veröffentlicht wurden.

Wie lässt sich Nachhaltigkeit in ein Unternehmen integrieren?

Tatsächlich arbeiten weltweit mehr als 11.000 Unternehmen mit der Science Based Targets Initiative (SBTi) zusammen, um ihre CO2-Emissionen im Einklang mit den neuesten klimawissenschaftlichen Erkenntnissen zu reduzieren. Davon haben sich derzeit mehr als 2.000 zu einer Netto-Null-Bilanz verpflichtet.

Aber wie lassen sich solche Ziele und konkrete Maßnahmen in ein Unternehmen und seine Kultur integrieren, um auch tatsächlich greifbare Ergebnisse zu erzielen?

Das ist keine leichte Aufgabe und erfordert strategische und kontinuierliche Arbeit. Insbesondere mit Blick auf die Einbindung relevanter Stakeholder und deren Beteiligung in Prozessen und Entscheidungen. Einerseits geht es um Transformation, was große Veränderung bedeutet. Hier geht es um Unternehmenskultur, Governance und Führung.

Andererseits erfordert die ESG-Integration ganzheitliches Denken, da interne Veränderungen innerhalb eines externen Kontextes stattfinden. Über das hinaus, was ihnen direkt gesagt wird, sehen und beurteilen Mitarbeiter das tatsächliche Verhalten des Unternehmens. Externe Kommunikation ist interne Kommunikation.

Deshalb müssen Verantwortliche für Nachhaltigkeit eng mit den Kommunikatoren zusammenarbeiten. Internes und externes Handeln müssen Hand in Hand gehen und dürfen nicht als widersprüchlich angesehen werden. Sonst droht ein Scheitern.

Nachhaltigkeitsnarrativ als Leitstern des Wandels

Wir sehen in der Praxis oft, dass sich Unternehmen auf die technische Seite der Nachhaltigkeitstransformation konzentrieren: Entwicklung einer Strategie im kleinen Kreis, Festlegung von Zielen, Definition von Roadmaps, Sammlung und Verwaltung von ESG-Daten. Das alles gehört zwar dazu, aber am Anfang steht immer eine Vision.

In Zusammenarbeit mit unseren Kunden helfen wir dabei, ein gemeinsames Verständnis von Nachhaltigkeit innerhalb des Führungspersonals zu entwickeln, einschließlich des konkreten Ambitionsniveaus. Dies trägt dazu bei, ein authentisches Narrativ als Kommunikationsgrundlage für Führung und Change Management zu schaffen:

Was tun wir? Wie tun wir es? Und warum tun wir es? Das ist der Leitstern des Wandels.

Bei Entwicklung oder Weiterentwicklung einer Strategie für Nachhaltigkeit ist es entscheidend, wichtige Stakeholder einzubinden, um die relevanten Perspektiven und Erkenntnisse zu erfassen. Außerdem zahlt sich eine frühzeitige Einbindung bei der Umsetzung aus. So hatte ein Kunde beispielsweise den Einkauf nicht frühzeitig einbezogen. Es bedurfte später zusätzlicher Anstrengungen, ihn mit ins Boot zu holen.

Stakeholder in einen Veränderungsprozess einzubinden kann andersherum zu größerer Akzeptanz, weniger Widerstand und besseren Ergebnissen führen. Es geht darum, sie frühzeitig in den Denkprozess einzubeziehen und einen Dialog zu führen, wann immer dies sinnvoll ist. Hier sind kollaborative und partizipative Formate sinnvoll wie die Methode LEGO Serious Play oder das interaktive Klimabildungsformat Climate Fresk.

Alle zusammen: Eine Symphonie der Nachhaltigkeit schaffen

Die Vision und die Strategie müssen im nächsten Schritt systematisch umgesetzt und mit Mandat ‚von oben‘ eingeführt werden, um Geschäftsbereiche, Regionen, Funktionen und das Produktportfolio gleichermaßen abzudecken. Nachhaltigkeit muss per Governance ein integraler Bestandteil von Führung und des täglichen Betriebes sein.

Was erforderlich ist, ist eine ‚Nachhaltigkeitssymphonie‘ von Forschung und Entwicklung über das Marketing bis hin zu Produktion, Lieferkette, Finanzen und Personalwesen. Hierbei geht es um potenziell um eine ganze Bandbreite an gezielten Maßnahmen in Rekrutierung, Schulung, Anreizsysteme sowie die Gestaltung der internen Kultur – wobei die interne Kommunikation erneut eine Schlüsselrolle spielt.

Menschen sind die Treiber der Transformation. Und die Transformation zur Nachhaltigkeit ist nicht nur einfach ein Projekt – sie ist ein Paradigmenwechsel, der das gesamte Unternehmen umfasst. Durch ihre transformative Kraft macht strategische Kommunikation Nachhaltigkeit in der Organisation erst dauerhaft wirksam.

Wie könnte Ihr Weg zur Transformation aussehen? Lesen Sie mehr hier:

Eine längere Version des Textes ist erschienen auf IPRA | Thought Leadership Essays.