24.02.2026
Nach dem finalen Omnibus-Beschluss ist klar: Die Berichtspflichten werden verschlankt – aber die Aufsicht signalisiert unmissverständlich, dass Nachhaltigkeit, Klima- und Biodiversitätsrisiken im Finanzsektor und bei Unternehmen allgemein noch stärker in den Fokus rücken. Und Markt sowie Management benötigen die Daten.
Omnibus ist beschlossen – das Spielfeld bleibt
Mit dem Omnibus‑Paket haben sich EU-Parlament und Mitgliedstaaten politisch auf eine deutliche Vereinfachung der Nachhaltigkeitsberichterstattung geeinigt. Die CSRD-Pflicht wird auf größere Unternehmen mit deutlich höheren Schwellenwerten konzentriert, sektorspezifische ESRS werden abgeschwächt oder in den freiwilligen Bereich geschoben und bestehende Standards inhaltlich verschlankt.
Gleichzeitig bleiben die ESRS als zentrales Rahmenwerk für alle weiterhin CSRD-pflichtigen Unternehmen verbindlich – inklusive der Anforderungen zu Klima, Umwelt und Biodiversität. Und was sich ebenfalls nicht verändert: Der Markt hat weiterhin spezifische Anwendungen. So fordern Investoren ESG-Daten, Banken verknüpfen Finanzierung mit Nachhaltigkeit, Geschäftspartner führen Audits durch, Kunden verlangen Nachweise, Lieferanten müssen berichten. Auch intern spielt ESG weiter eine Rolle: Boards brauchen Einblicke in Risiken, Finance integriert Nachhaltigkeitsdaten, die Unternehmensstrategie erfordert Einsichten auf Basis von ESG-Daten.
Für Finanzinstitute und Industrieunternehmen bedeutet das: Weniger formalistische Berichtspflichten entbinden nicht von der Pflicht, materielle Nachhaltigkeitsrisiken systematisch zu verstehen, zu managen und transparent zu machen. Die eigentliche Spielverlagerung findet weg von der „Reporting-Checkliste“ hin zu einer substanziellen Integration von ESG in Geschäftsmodell, Steuerung und Risikomanagement statt.
BaFin: Nachhaltigkeit bleibt ein zentrales Thema
Die BaFin hat in ihrem Bericht „Risiken im Fokus 2026“ sechs Finanzmarktrisiken, drei Verbraucherrisiken und drei langfristige Trends identifiziert, darunter explizit die Nachhaltigkeit als einen zentralen Trend, der den Finanzsektor prägt. Sie hebt hervor, dass Nachhaltigkeit – mit physischen Risiken aus dem Klimawandel und transitorischen Risiken der Transformation hin zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft – ein zentrales Thema bleibt, Institute diese Risiken jedoch oft nicht durchgängig als materiell einstufen. Besonders physische Klimarisiken werden zwar grundsätzlich erkannt, aber nur begrenzt in Wesentlichkeitsanalysen berücksichtigt, oft aufgrund angeblicher Datenmängel. Und das, obwohl zahlreiche öffentliche Quellen verfügbar sind.
Für 2026 kündigt die BaFin eine Intensivierung ihrer Aufsicht an: Sie prüft, wie Institute physische Klimarisiken in der Risikoinventur berücksichtigen, ESG-Aspekte im Kreditgeschäft verankern und ob Vorgaben weiterentwickelt werden müssen; parallel verstärkt sie Maßnahmen gegen Greenwashing. Damit knüpft sie an die Leitplanken des Sustainable-Finance-Beirats an, der das Management von Klima- und Biodiversitätsrisiken sowie die Unterstützung der Realwirtschaft bei der Transformation betont.
EZB: Klimarisiken sind aufsichtsrelevant – nicht Optionalprogramm
Auch die Europäische Zentralbank erhöht spürbar den Druck: Sie hat eine Geldstrafe von 7,55 Millionen Euro gegen Crédit Agricole verhängt, weil die Bank eine Entscheidung der EZB zu Klima- und Umweltrisiken nicht fristgerecht umgesetzt und die Relevanz dieser Risiken nicht ausreichend bewertet hat. Konkret bemängelte die EZB, dass Crédit Agricole die Identifikation wesentlicher Klima- und Umweltrisiken, denen die Bank ausgesetzt ist oder künftig ausgesetzt sein könnte, nicht wie angeordnet verstärkt hatte.
Die finanzielle Höhe der Strafe mag für ein großes Institut überschaubar sein – die Signalwirkung ist es nicht. Es handelt sich um eine der ersten Sanktionen dieser Art im Euro-Währungsgebiet und macht deutlich, dass die Anforderungen aus Klimastresstests, Leitlinien zu Klimarisiken und aufsichtlichen Beschlüssen keine „Nice-to-have“-Empfehlungen sind, sondern durchsetzbare Aufsichtsanforderungen. Wer Klima- und Umweltrisiken – und in ihrem Gefolge Biodiversitätsrisiken – verzögert oder nur formalistisch adressiert, riskiert also nicht nur Reputationsschäden, sondern auch direkte aufsichtliche Konsequenzen.
„Der Teenager ESG wird erwachsen“ – was das für Unternehmen bedeutet
ESG ist kein Hype-Thema mehr, das jeden Konferenz-Titel dominiert – und genau darin liegt die Chance. Der ‚Teenager‘ ESG wird erwachsen: Weg von Schlagworten, hin zu belastbaren Governance-Strukturen, integrierten Risiko-Frameworks und klaren strategischen Steuerungsgrößen. Für Finanzinstitute und Unternehmen allgemein heißt das konkret:
ESG jetzt ‚abzuschreiben‘, weil die öffentliche Debatte sich anderen Themen zuwendet oder der Omnibus formale Berichtspflichten reduziert, wäre daher ein strategischer Fehler – aufsichtsrechtlich, risikoseitig und reputativ.
Biodiversität: Vom Randthema zum Steuerungshebel
Parallel zur Klimadebatte rückt Biodiversität zunehmend ins Zentrum der Agenda – für Banken ebenso wie für produzierende Unternehmen. Internationale Initiativen wie die Taskforce on Nature-related Financial Disclosures (TNFD) konkretisieren Erwartungshaltungen an das Management von Naturrisiken, und auch in Deutschland arbeitet eine TNFD-Consultation Group – initiiert von BAUM e.V. und dem Forum Nachhaltige Geldanlagen – seit mehreren Jahren an der Übersetzung in die Praxis. Regelmäßige Formate wie Digitaldialoge oder Arbeitsgruppen helfen Unternehmen, Natur- und Biodiversitätsrisiken in Portfolios, Produkten und Lieferketten zu integrieren.
Viele Häuser gehen bereits voran: So hat etwa eine Reihe großer Banken sich prominenten Biodiversitäts-Initiativen angeschlossen oder Natur- und Klimaberichte kombiniert, um Wechselwirkungen und Synergien transparenter zu machen. Für produzierende Unternehmen bietet der Omnibus-Rahmen die Möglichkeit, die interne Substanz zu Biodiversität (Daten, Analysen, Prozesse) gezielt auszubauen, anstatt kurzfristig möglichst viele Berichtspunkte abzuhaken.
Was Unternehmen jetzt tun sollten
Vor diesem Hintergrund ergeben sich für Banken, Versicherer, Hersteller und andere Unternehmen klare Handlungsfelder – jenseits der reinen Omnibus-Compliance:
Ein Unternehmen, das diese Punkte ernst nimmt, wird Omnibus nicht als Einladung zur Minimal-Compliance verstehen, sondern als Chance, seine ESG-Architektur zu fokussieren und robust zu machen – im Einklang mit den klaren Signalen von BaFin und EZB.
Wie plenum Unternehmen in der neuen Realität unterstützt
plenum begleitet Banken, Versicherer, Hersteller und weitere Unternehmen insbesondere des Mittelstandes dabei, die neue regulatorische Lage nach Omnibus, die Erwartungen von BaFin und EZB sowie internationale Entwicklungen wie TNFD in ein konsistentes Steuerungs- und Risikomanagement-Setup zu übersetzen. Unser Fokus liegt darauf, ESG-Risiken zu einem integralen Bestandteil von Geschäftsstrategie, Governance, Risiko- und Wertschöpfungssteuerung zu machen – mit pragmatischen Lösungen, die sowohl aufsichtskonform als auch operativ handhabbar sind.
Gemeinsam mit unseren Kunden entwickeln wir Roadmaps, die drei Ziele verbinden: Aufsichtssicherheit gegenüber BaFin und EZB, robuste Steuerung von Klima- und Biodiversitätsrisiken und eine aktive Rolle in der Transformation der Realwirtschaft, die alle relevanten Mitarbeitenden sinnvoll einbindet. Transformation bedeutet Veränderung, und Veränderung muss die Menschen im Blick behalten und beteiligen.
Wenn Sie besprechen möchten, wie Sie Ihr Unternehmen in dieser neuen ESG-Phase effizient ausrichten können, stehen wir Ihnen gerne als Sparringspartner zur Verfügung.
Weitere Infos: Nachhaltigkeit (ESG) | Sustainability Consulting