EBA/CP/2016/21: Guidelines on PD estimation, LGD estimation and the treatment of defaulted exposures

14.11.2016

Am 14. November 2016 hat die EBA das Konsultationspapier EBA/CP/2016/21 über Leitlinien zur Schätzung der Risikoparameter PD und LGD und die Behandlung von ausgefallenen Exposures herausgegeben. Die Leitlinien sind Teil der von der EBA im Februar 2016 vorgestellten umfassenden Überprüfung der IRB-Ansätze, die der beobachteten Variabilität der Ergebnisse der internen Modelle entgegenwirken soll. Gleichzeitig soll nach Ansicht der Aufsicht die Risikosensitivität der Kapitalanforderungen bewahrt werden. Die Konsultation läuft bis zum 10. Februar 2017, eine Verabschiedung wird Mitte 2017 erwartet.

Für nicht-ausgefallene Exposures werden folgende Aspekte präzisiert:

  • Definitionen der Risikoparameter PD und LGD
  • Anforderung an die genutzten Daten
  • Modellierungsmethoden

Für ausgefallene Exposures wird die Vorgehensweise bei der Entwicklung der LGD-Komponenten Best Estimate of Expected Loss (ELBE) und LGD-in-default konkretisiert. Diese basiert grundsätzlich auf den Anforderungen für die Entwicklung der LGD bei nicht-ausgefallenen Exposures.

Weiterhin werden allgemeine Anforderungen und Aspekte, die alle Risikoparameter betreffen, erläutert:

  • Human Judgement bei Entwicklung und Anwendung interner Modelle
  • Angemessene Konservativitätsspanne (sog. Margin of Conservatism oder MoC) bei Entwicklung der Risikoparameter
  • Regelmäßige Validierung und ggf. Anpassung der Modelle bei Verschlechterung der Prognosequalität

Folgende Punkte sind unserer Ansicht nach für alle IRBA Institute künftig bedeutsam und führen zu Anpassungen sowohl in der Modellentwicklung als auch in den Prozessen zur Modellverwendung:

 

 

Da die EBA umfassende Änderungen an den Parametermodellen der IRBA-Institute erwartet, muss eine Umsetzung der Leitlinien durch die Institute in Abstimmung mit der Aufsicht erst bis spätestens Ende 2020 erfolgen.

Es gilt zu beachten, dass das nun vorgelegte Papier ausdrücklich einen Bezug zu den im Sommer 2016 veröffentlichten finalen Leitlinien für IRB-Prüfungen (EBA/RTS/2016/03: ‘RTS on assessment methodology for IRB approach‘) herstellt. Aspekte zur Modellentwicklung, die bereits dort behandelt wurden, sind in dem nun vorgelegten Konsultationspapier nicht mehr enthalten. Daher empfiehlt es sich, diese beiden Regularien parallel zu bearbeiten. Ebenso sind die am 28. September 2016 final von der EBA verabschiedeten Regelungen zur Ausfalldefinition (EBA/GL/2016/07) und zur Wesentlichkeitsschwelle beim Zahlungsverzug (EBA/RTS/2016/06) von grundlegender Bedeutung für die Planung der Umsetzungsaktivitäten.

Die zur Diskussion stehenden Neuerungen der EBA haben einen weitreichenden Einfluss sowohl auf die bestehenden Risikomodelle und deren Entwicklung, als auch auf den Einsatz bzw. die Prozesse zur Verwendung der Risikomodelle in der Überwachung. Die Anforderung eines Re-Ratings nach spätestens 3 Monaten bei Vorliegen aktueller Informationen führt dazu, dass für alle großen publizitätspflichtigen Gesellschaften, die der Baseler Ausschuss in seinem Osterpapier 2016 selbst als low-default Portfolien einstuft, jedes Quartal ein neues Rating erstellt werden muss.